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Himmlische und irdische Liebe: Tizians Gemälde in Rom
Aktualisiert am 27. Oktober 2026
Himmlische und irdische Liebe ist ein Ölgemälde auf Leinwand von Tizian, entstanden um 1514-16 und von Kardinal Scipione Borghese wahrscheinlich 1608 erworben. Es zeigt zwei Frauen, die wie dieselbe Person aussehen, eine prächtig gekleidet, eine fast nackt, zu beiden Seiten eines gemeißelten Steinbeckens, während ein geflügelter Knabe im Wasser rührt. Das Bild misst 118 x 279 cm und hängt in Saal 20 der Galleria Borghese in Rom. Was es bedeutet, ist bis heute umstritten.
Die zwei Frauen
Zwei Frauen sitzen auf dem Rand eines antik wirkenden Sarkophags, der zu einem Brunnen oder Wassertrog umgestaltet ist.
- Links blickt eine Frau in einem prächtigen weißen Kleid zum Betrachter. Sie trägt einen Gürtel und einen Kranz aus Myrte, einer Pflanze, die Venus heilig ist und von Bräuten getragen wurde. Ihre Hand ruht neben einer Metallschale.
- Rechts sitzt eine Frau mit demselben Gesicht, nackt bis auf ein weißes Tuch und einen roten Mantel über einer Schulter. Sie hält ein kleines Gefäß mit einer Flamme hoch, das das Museum eine Lampe nennt, Zeichen brennender Liebe und Attribut der Venus.
- In der Mitte beugt sich ein geflügeltes Kind, Amor oder ein Putto, über den Rand und rührt mit der Hand im Wasser.
Auch die Landschaft teilt sich. Hinter der bekleideten Frau steigt ein Weg zu einer befestigten Stadt auf einem Hügel an, in der Nähe zwei Kaninchen. Hinter der nackten Frau fällt das Land zu einem Dorf mit Kirchturm an einem See ab, mit Reitern, die einen Hasen jagen, und einem Hirten mit seiner Herde.
Für die Reliefszenen an der Vorderseite des Beckens gibt es keine anerkannte Deutung. Eines der Wappen darauf gehört Niccolò Aurelio, dem Mann, der das Bild höchstwahrscheinlich bestellte.
Deutungen des Gemäldes
Ein Hochzeitsbild. Laut Katalog des Museums gab Niccolò Aurelio, Sekretär des Rats der Zehn in Venedig, das Gemälde höchstwahrscheinlich 1515-16 zu seiner Hochzeit mit Laura Bagarotto in Auftrag. Ihre Wappen erscheinen an der Vorderseite des Beckens und in der Silberschale. Gürtel und Myrtenkranz der sitzenden Frau sind Attribute der ehelichen Liebe. Diese Deutung bevorzugt das Museum heute: Das Bild preist die vollkommene Braut, prachtvoll gekleidet in ihrer öffentlichen Rolle und zugleich nackt und voll wahrer Liebe zu ihrem Mann im Privaten.
Zwei Venusfiguren. Erwin Panofsky las die beiden Frauen als die „Zwillings-Venus“ des Neuplatonismus der Renaissance: die bekleidete als irdische Venus, die nackte als himmlische Venus, und Amor verbindet Himmel und Erde. Wikipedia nennt dies die am weitesten akzeptierte Deutung.
Andere Deutungen. Edgar Wind sah Schönheit (bekleidet) und Lust (nackt). Andere haben die Szene mit Polia und Venus im venezianischen Roman Hypnerotomachia Poliphili von 1499 oder mit Venus und Medea bei Valerius Flaccus verbunden.
Welche ist die himmlische Liebe? Der Titel taucht erst in einem Borghese-Inventar von 1693 auf, als Amor Divino e Amor Profano. Im 20. Jahrhundert waren sich die Forscher weitgehend einig, dass entgegen dem ersten Eindruck die nackte Figur die „himmlische“ und die bekleidete die „irdische“ Liebe wäre. Manche meinen, der Titel habe mit Tizians Idee nichts zu tun.
Zur Datierung: Wikipedia nennt 1514. Der Katalog des Museums datiert das Bild auf 1515-1516, an das Ende von Tizians Frühzeit.
Das Angebot der Rothschilds
Wie das Gemälde zu den Borghese kam, ist unklar. Die übliche, von den meisten Forschern übernommene Darstellung besagt, dass Kardinal Paolo Emilio Sfondrati es am 20. Juli 1608 mit 71 weiteren Gemälden an Scipione Borghese verkaufte. Das Museum merkt an, dass die Verkaufsurkunde ein schwacher Beleg ist und das Bild sicher erst um 1620 in der Sammlung nachweisbar ist, als Anthonis van Dyck es dort skizzierte.
Fast drei Jahrhunderte blieb es in der Familie. Der Journalist Roderick Conway Morris berichtete 1995 in der International Herald Tribune, die Rothschilds hätten den Borghese 4.000.000 Lire für dieses eine Gemälde geboten. Das war mehr, als die ganze Sammlung einbrachte, als die Erben dem Verkauf an den italienischen Staat zustimmten. Er berichtete auch, Fürst Camillo Borghese habe vergeblich angeboten, die gesamte Sammlung der Nation zu schenken, wenn die Familie dieses eine Bild und das Recht zu seiner Ausfuhr behalten dürfe. Der Staat kaufte die Sammlung 1902 und das Gemälde mit ihr.
Wo das Gemälde hängt
Das Gemälde hängt in Saal 20, dem Saal der Psyche, dem letzten Saal des Rundgangs im ersten Stock. Pietro Antonio Novelli malte die Geschichte von Amor und Psyche ins Gewölbe. Der Saal ist der venezianischen Malerei der Renaissance gewidmet. Neben Himmlische und irdische Liebe hängen hier drei weitere Tizians: Venus verbindet Amor die Augen, Der heilige Dominikus und Christus an der Säule. Außerdem Antonello da Messinas Bildnis eines Mannes, eine Madonna mit Kind von Giovanni Bellini, Lorenzo Lottos signierte und 1508 datierte Madonna mit Kind und Heiligen und Paolo Veroneses Predigt Johannes des Täufers.
Die Tizian-Ausstellung im Herbst 2026
Auf der Besucherseite des Museums hieß es im Oktober 2026, Saal XX bleibe bis zum 16. Oktober 2026 geschlossen, um die Ausstellung „Tizian. Dialoge zwischen Sakralem und Profanem“ aufzubauen. Roms Tourismusbehörde Turismo Roma führt die Schau als Tiziano. Dialoghi tra Sacro e Profano, kuratiert von Maria Giovanna Sarti, vom 20. Oktober bis 8. Dezember 2026. Sie holt Tizians Verkündigung aus dem Dom von Treviso nach Rom, wo sie neben den Tizians der Borghese hängt. Finestre sull’Arte berichtet, die Leihgabe sei möglich, weil die Malchiostro-Kapelle des Doms restauriert wird. Laut den Regeln des Museums können die Ticketpreise während Sonderausstellungen steigen; diese gehören zum selben Besuch und Ticket.
Es ist nicht die erste Schau dieser Art. 2022 hängte dieselbe Kuratorin Tizians spätes Werk Nymphe und Schäfer, eine Leihgabe des Kunsthistorischen Museums Wien, im selben Saal auf.
Das Gemälde bei Ihrem Besuch sehen
Saal 20 liegt im ersten Stock, der Pinacoteca, bei den Gemälden. Die Galleria Borghese arbeitet mit festen Zeitfenstern von zwei Stunden, lassen Sie sich also nach den Skulpturen im Erdgeschoss genug Zeit für die oberen Säle. Das Zeitfenster um 17.45 Uhr dauert nur 1 Stunde 15 Minuten.
Das offizielle Ticket kostet 18 € (16 € + 2 € Buchungsgebühr) und ist weder erstattbar noch umbuchbar. Prüfen Sie während der Tizian-Ausstellung den Preis für Ihr Datum auf der Seite zum Eintrittspreis der Galleria Borghese. Die Führung gibt es ab 49 € pro Person, laut Angebot mit kostenloser Stornierung bis 24 Stunden vorher. Alle Optionen stehen auf der Seite Tickets und Führungen.
Für den übrigen ersten Stock, von Raffaels Grablegung in Saal 9 bis zu den Tizians, lesen Sie die Gemälde im ersten Stock der Galleria Borghese auf unserer Seite zu den Meisterwerken.
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Preis geprüft am 27. Okt. 2026
Häufige Fragen
Wer sind die beiden Frauen in Himmlische und irdische Liebe?
Darüber sind sich die Forscher bis heute nicht einig. Die meisten lesen das Bild heute als Hochzeitsbild: Die bekleidete Frau ist die Braut, die nackte Frau entweder Venus oder die Liebe der Braut in ihrer privaten, glühenden Form. Erwin Panofsky sah in ihnen die irdische und die himmlische Venus.
Welche Figur ist die himmlische, welche die irdische Liebe?
Entgegen dem ersten Eindruck machte die Deutung des 20. Jahrhunderts die bekleidete Frau zur irdischen und die nackte Frau zur himmlischen Liebe. Der Titel selbst ist erst in einem Inventar von 1693 belegt und stammt daher vielleicht nicht von Tizian.
Wo hängt Himmlische und irdische Liebe?
In Saal 20, dem Saal der Psyche, im ersten Stock der Galleria Borghese in Rom, zusammen mit drei weiteren Gemälden Tizians.
Ist der Tizian-Saal im Herbst 2026 geöffnet?
Das Museum schloss Saal XX bis zum 16. Oktober 2026, um die Ausstellung „Tizian. Dialoge zwischen Sakralem und Profanem“ aufzubauen. Die Veranstaltungskalender nennen als Ausstellungsdaten den 20. Oktober bis 8. Dezember 2026. Während Sonderausstellungen können die Ticketpreise steigen.
Quellen